L’Adieu Pour La Reyne

Liebe Leser,

auf diese Geschichte hier möchte ich, ebenso wie «L’Échec – Gardez la Reyne» nicht kommentieren. Auch hier laden ich lediglich ein, zu lesen und den eigenen Schlüssel zu finden.

Ein dunkler Himmel liegt über der Hauptstadt, kündigt Unwetter an, doch es regnet nicht. Still ist es in den Straßen von Paris, viel zu still. Man könnte eine Stecknadel fallen hören.
Selbst die Menschen, die die Straßen säumen, sind still. Sie haben ihre Königin geliebt. Sie tun es noch.
Keine der üblichen Zeremonien. Keine Begleitung durch Musik. Kein Aufwand. Die Königin selbst hat es so gewünscht.
Langsam strebt der Zug der Basilique Saint-Denis entgegen, wo sie ihre Ruhestätte finden wird. Der König selbst hat es so gewünscht.
Nur einem hat er sich widersetzt.
Machtvoll durchwehen die Klänge des Requiem die Basilika.
Dann das Te Deum. Das Te Deum, das zur Krönung der Königin gespielt und nun durch den König selbst noch einmal bearbeitet worden ist. Ein Te Deum zu diesen Geschehnissen spielen zu lassen, ist ungewöhnlich. So ungewöhnlich wie die Frau, die hier auf ihrem letzten Weg begleitet wird.
Dann der schwerste Teil. Nur die Königsfamilie selbst hat hier Zutritt. Die Gruft.
Dann durchdringt ein Schrei die Stille.
Der König selbst, bisher mühsam beherrscht, ist es, der sich über den Sarg seiner Frau geworfen hat, als man im Begriff ist, ihn hinabzulassen.
«Louise … Louise.» Seine einzigen Worte. Es ist der Ehemann, der trauert. Es ist der Ehemann, der schluchzt und sich seiner Tränen nicht schämt. Es ist der Ehemann, der zu Boden liegt und sich von seinem Sohn aufhelfen lassen muss.
Der König scheint um Jahre gealtert. Die Princesse de Conti sieht es mit Sorge. Die junge Frau an ihrer Hand gilt als eine Verwandte der La Vallières, aber genaues ist nicht bekannt. Manche halten sie auch für eine heimliche Tochter der Princesse. Die Princesse lächelt, wenn ihr solches zu Ohren kommt. Sie weiß, wer die junge Frau wirklich ist.
Der König, noch immer auf den Arm seines Sohnes gestützt, greift in seinen Rock, zieht etwas heraus und wirft es stumm in die Gruft. Nur diejenigen, die ihn umstehen, sehen, was dort sanft fällt.
Rosenblüten. Die Rose Bourbon. Ein letzter Tribut an seine Frau. Seine Königin.
Selbst die Princesse verliert für einen Augenblick die Fassung, erlaubt sich selbst die Tränen.
Der König wendet sich um, mit einem Blick, aus dem jedes Leben erloschen scheint. Es ist, als sei ein Teil seiner Seele mit seiner Frau gegangen. Seine Augen richten sich in die Ferne, gleiten in eine Welt, die nur ihm allein zugänglich ist.
«Louise», sagt er leise. Noch einmal der Name seiner Frau. «Louise.»
Seine Lippen beheben, aber er beherrscht sich. Während er selbst aufrecht steht, liegt seine Seele noch auf den Knien.
Und da klingt es durch das Gewölbe, hallt von den steinernen Mauern.
Der Duc d’Orléans, schwankend ob seiner Trunkenheit, hält sich den Bauch vor Lachen.
«Adieu, Madame la Reyne, adieu! Genau da gehört Ihr hin, Weib, zu Gott! Nein, kein Au revoir. Denn wiedersehen möchte ich Euch ganz sicherlich nicht.»
Starr steht der König, starr diejenigen, die ihn umgeben. Da fährt der Duc du Maine herum, ist mit wenigen Schritten bei seinem Cousin. Der Duc, der sonst für seine Sanftmut, sein freundliches Wesen und seine Zurückhaltung bekannt ist, er, der in so vielen Dingen der Sohn seiner Mutter ist, er, der seit dem Tod seiner Mutter in unheilvolle Starre gefallen und dessen Haar über Nacht ergraut ist, bebt vor Zorn, seine Augen, die von Qual und Trauer gezeichnet sind, lodern.
«Taisez-vous, Monsieur.»
Nur diese Worte. Dann der Hieb, der die Nase des Duc d’Orléans zerbricht und dessen Lachen Einhalt gebietet. Dieser macht Anstalten, sich auf den Duc du Maine zu stürzen.
«Kein Skandal, Tollkopf!», wispert eine leise Stimme hinter dem späteren Regenten, « wieviel Aufmerksamkeit wollt Ihr noch auf Euch ziehen?»
Sanft legt sich die Hand der Princesse auf den Arm des Duc du Maine.
«Louis Auguste, nicht weiter. Es würde unserer Mutter nicht gefallen. Komm.»
Bevor der Duc du Maine sich abwenden kann, neigt sich Philippe d’Orléans noch einmal zu ihm.
«Vengeance, monsieur le Duc du Maine. Vengence.»
Die Princesse de Conty erbebt. Sie hat die Worte gehört. Und nicht nur sie.