Le Signe des Cygnes – Das Zeichen der Schwäne

Ihr Lieben,

Ich liebe Schwäne. Es sind wundervolle, sehr schöne und majestätische Geschöpfe, und jeder von uns kennt sicherlich ein Bild mit den beiden Schwänen, deren Hälse ein Herz formen.

Schwäne werden auch in der Heraldik eingesetzt, und in alten Zeiten galten sie als Zeichen von Liebe und Treue.

Die Schwäne am und im Wasser, da gab es doch eine Geschichte aus alter Zeit. Natürlich. Also habe ich meine Notizen zusammengefügt, übersetzt und zu einer Geschichte aufbereitet.

Das wundervolle Bild verdanke ich John Steven Konstantin, dessen Kunstwerke ich sehr schätze. Insbesondere der Besuchs in der Bildergalerie lohnt sich. Danke an Dich, John, dass ich dieses Bild, das eines meiner liebsten ist, hier verwenden darf!

Cygne - John Steven Konstantin

«Louise, komm schnell!»
Louise lässt sich nicht beirren. Wenn sie schläft, dann schläft sie. Es ist selten genug. Erst, als er sie unsanft bei der Schulter fasst, richtet sie sich auf, den Schlaf noch in den Augen.
«Louis, konntest du nicht schlafen?», fragt sie verwundert. «Wo kommst du her?» Meist bemerkt sie in ihrem Halbschlaf, wenn er sich erhebt.
«Von draußen», erwidert er kurz.
«Erhellende Antwort», murmelt Louise. Er stört sich nicht daran.
«Bitte, komm mit. Ich möchte dir etwas zeigen.»
«Jetzt sofort?», fragt sie. Dem Licht nach ist es noch sehr früh am Morgen.
«Oui, bien sûr, jetzt sofort.»
Er, sonst so voller Ruhe, wirkt ungeduldig.
«Hoffentlich ist noch Wasser in der Waschschüssel», sagt sie und gleitet aus den Laken, einen wehmütigen Blick auf das warme Bett gerichtet.
«Würden Monsieur mir beim Ankleiden helfen?»
«Avec plaisir, Madame.» Er neigt sich über ihre Hand. Sie lacht. Als Louise fertig ist, steckt sie die Haare rasch mit ein paar Kämmen auf.
«Wir müssen gleich leise sein», sagt der König, als er, seine Frau an der Hand, den Weg zum Park einschlägt.
«Wohin gehen wir?», fragt Louise.
«Zum Grand Canal. Es ist nicht weit.»
Nein, vom Trianon aus nicht. Und es ist früh genug, annehmen zu können, nicht gesehen zu werden.
«Ich liebe den Park am frühen Morgen», sagt sie, «er wirkt so verwunschen. Als seien wir ganz allein auf der Welt.»
«Manchmal», erwidert ihr Gatte, «wünsche ich mir das.»
Sie lächelt und drückt seine Hand fester.
Vor ihnen taucht der Grand canal auf.
Noch bevor der König etwas sagen kann, schlägt Louise die Hand vor den Mund.
«Oh!»
Er lächelt, er weiß, dass sie noch da sind. Sie haben gewartet.
«Des cygnes!»
Still nähert sich Louise dem Schwanenpärchen. Diese so scheuen Tiere, sie scheuen nicht sie. Vorsichtig lässt sie sich am Rand des Wassers nieder, neigt sich vor, es sieht aus, als wolle sie den Tieren ihren Respekt zollen. Unwillkürlich streckt sie die Hand nach den beiden aus. Anstatt sich zu entfernen, kommen die beiden näher, gleiten ineinander verschlungen übers Wasser.
«Wie wundervoll!»
Louise schießen die Tränen in die Augen.
Sie wendet sich halb um, streckt stumm die Hand nach ihrem Gatten aus. Er setzt sich zu ihr, umfasst sie, hält sie in seinen Armen.
«Die Ägypter», murmelt er in ihr Ohr, «glaubten, dass die Welt aus dem Ei eines Schwanes entstanden sei, da aus ihm die Sonne geboren wurde.»
Ihr Lächeln lässt ihre Augen blitzen.
«Die Sonne, natürlich.»
Für einen Augenblick hält sie inne. Die Tiere kommen noch näher.
«Sie haben kluge Augen», erwidert der König, «als trügen sie das ganze Wissen der Welt in sich.»
«Bei den Griechen», setzt Louise fort, «gesellt sich der Schwan zu Apollon. Der Herr der Sonne und des Lichts. Er erhält durch ihn seine Weisheit».
«Diese Schwäne hier», flüstert Louis, «besuchen eher die Herrin der Sonne und des Lichts.»
Louise lässt ihre Fingerspitzen durch das Wasser gleiten, die so eigenwilligen Tiere neigen sich zu ihr, lassen zu, dass sie deren Federkleid berührt.
«Natürlich», sagt er zufrieden. «Sie kommen zu dir. Das dachte ich mir.»
Louise schmiegt sich inniger in die Arme ihres Mannes.
«Sieh doch», haucht sie, «schau!»
Die beiden Schwäne formen mit ihren Hälsen ein Herz.
Sie spürt ihren Mann lächeln.
«Sie bleiben immer zusammen, wenn sie sich gefunden haben», sagt er. «Ich glaube, selbst über den Tod hinaus. Deshalb hat Zeus den Schwan an den Himmel gesetzt.»
«Wie auch wir immer zusammenbleiben», entgegnet sie leise. «Wie wir.»
Jusqu’à la fin des siècles. Bis an das Ende der Zeit. So haben sie es geschworen.
«Und sie wissen auch, soleil de ma vie», sagt Louis, «dass du mein Licht bist. Meine Sonne. Die, die den Tag erhält und die Schatten der Nacht vertreibt.»
Die Tränen der Königin rinnen unaufhörlich. Still hebt Louise  die Hand, ein Abschiedsgruß. Die Vögel neigen majestätisch den Kopf, halten für einen Augenblick inne, bevor sie, noch immer umschlungen, auf dem Wasser davontreiben.
Noch einmal wenden die Tiere ihren Hals zu den beiden am Ufer. Im selben Augenblick bricht die Sonne hervor und schickt ihre Strahlen über das Paar am Wasser und das Paar am Ufer.
Jedes Jahr kehren die Schwäne an die selbe Stelle zurück.
Einige Tage später wird der Königin eine kleine Schatulle übergeben, darin ein einfach gehaltener Ring. Sie hält nichts von großem Gepränge. Zwischen die königlichen Lilien sind zwei Schwäne graviert. Deren Hälse formen ein Herz.

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