Louis Auguste de Bourbon

Mein Name ist Louis Auguste de Bourbon, plus connu sous le nom Duc du Maine, und man hat mich betrogen. Vor einiger Zeit noch konnte ich nicht sprechen, nicht sprechen über die Dinge, die mir widerfahren sind. Dinge, die mein halbwegs sicher geglaubtes Leben auf den Kopf stellten – und mir zeigten, dass selbst das Leben unter gewissen Umständen nicht sicher ist.
Mon père, c’est le Roy Louis, quatorzième de son nom, den selbst der Regent, mein größter Feind, zähneknirschend le Grand nannte. Er gab mir meinen Namen, um keinen Zweifel über meine königliche Abkunft zu lassen – aber auch, um den Monat zu ehren, der der Geburtsmonat meiner Mutter ist. Noch einige mehr seiner Absichten verbergen sich hinter dem Titel, den ich trage.
Meine Mutter ist in den offiziellen Dokumenten, die über meine Geburt berichten, nicht benannt.
Welch Unrecht ist dadurch geschehen – und diejenigen, die glaubten, es besser zu wissen als ich selbst, bezeichneten diese Teufelin, deren Namen ich nicht nennen möchte, als meine Mutter. Doch ich wusste es, ich wusste es immer. Ich wusste es als kleiner Junge, vielmehr, ich spürte es, dass mich mit der, die man meine Mutter nannte, nichts verband – außer Hass. Ja, sie hasste mich, weil sie wusste, dass ich wusste. Und immer, wenn ich in die Augen meiner wahren Mutter sah, dann wusste ich, dass auch sie wusste.
In der Welt, die uns unser Theaterspiel abverlangte, sprachen wir es nicht aus. Um so kostbarer ist mir ihr letzter Brief an mich, kurz vor ihrem Tod, der unerwartet und heimtückisch zuschlug, geschrieben.
In diesen Brief nennt sie mich ihren Sohn, und sie unterzeichnete mit « ta mère« .
Als ich versuchte, die wahre Geschichte meiner Eltern aufrecht zu erhalten, für mein Erbe zu kämpfen, nahm man mir einiges, doch man nahm mir nicht diesen Brief. Und nun, wo ich ihn in wieder in der Hand halte, kann ich endlich das tun, was mir nach dem Tod meiner Mutter nicht gelang – ich weine.
Ich weine um die, die man wieder Louise de La Vallière nennt – auch sie hat man betrogen. Man darf sie nicht mehr Königin nennen, und die, die es noch wagen, leben gefährlich. Wir, die verbleibenden Kinder des Königs Louis und der Königin Louise, stehen unter strenger Bewachung. Oh, offiziell sind wir natürlich freie Leute, aber man beobachtet jedes Tun.
Zu groß die Angst, die Dinge, die wir noch wissen, könnten ans Tageslicht gelangen. Fragt sich wirklich niemand, warum in den Auseinandersetzungen, die nach dem Tod meines Vaters um seine Nachfolge entbrannten, der spanische König Philippe, der als Enkel meines Vaters gilt, auf meiner Seite in die Auseinandersetzungen eingriff und Frankreich sogar den Krieg erklärte, anstatt sich, folgt man der offiziellen Erzählung, den Orléans anzuschließen? Der spanische König weiß viele Dinge, und er hütet eines meiner größten Geheimnisse.
Nach den Dokumenten habe ich im Mai 1736 diese Welt verlassen, aber das gilt nur für den Leib. Mein Herz habe ich bereits fünfzehn Jahre zuvor verloren. Das Château de Sceaux war mein Gefängnis. Das Château de Sceaux war auch meine Zuflucht. Hier stand die Zeit still und ließ mich die letzten Jahre meines Lebens ertragen.
Ich will nicht mehr schweigen. Nicht mehr schweigen über die Dinge, die ich weiß. Nicht mehr schweigen über die Dinge, die mir widerfahren sind oder in die ich verstrickt bin. Nicht mehr schweigen darüber, warum mein Herz zweimal brach.
Es ist mir gleichgültig, wie man über mich urteilen wird. Die Geschichte verfährt mit denen, deren Geschicke in der Vergangenheit liegen, selten gnädig. Aber ich will, dass die Welt weiß. Ich will, dass sie aufgedeckt werden, die kleinen und die großen Geheimnisse, die sich zu Füßen eines Thrones finden. Und alles beginnt damit, dass ich der Sohn des Königs Louis und der Königin Louise bin. Man mag sie wieder bei dem Namen nennen, unter dem sie geboren wurde, doch für mich ist sie noch immer Königin. Reyne Louise, née sous le nom Louise de la Vallière, ist meine Mutter. Dort sind die Anfänge meiner eigenen Geschichte. Ab dort will ich berichten.

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