Marie Anne de Bourbon

Ich? Ich bin Marie Anne de Bourbon. Und ich bin ein Bastard. Ja, diese freundliche Bezeichnung hatten manche für mich. Was ich sage? Ich glaube, ich habe mehr Glück als manche Königstöchter nur haben könnten. Mein Vater ist der König Louis XIV, meine Mutter ist seine Frau, die Königin Louise. Doch ist sie beides erst geworden, nachdem ich schon auf der Welt war. Die Welt kennt sie unter dem Namen Louise de La Vallière, den Namen, den sie trug, als sie meinen Vater zum ersten Mal begegnete, und den Namen, den man ihr wieder gab, nachdem man ihr alles genommen hat. Doch ich weiß noch. Ich gehöre zu den letzten, die noch wissen, und ich bewahre die Geschichte meiner Eltern in meinem Herzen und in meinen Truhen, die sicher verborgen sind. So sagt man, die Briefe meiner Eltern seien verschollen. Ich sage Euch: Sie sind es nicht. Ich habe sie gelesen, und ich weiß, wie sehr meine Mutter nicht meinen Vater, sondern auch uns liebte. Das Gleiche gilt natürlich auch für ihn.

Die offizielle Geschichtsschreibung erzählt von vielen Dingen, viele Wahrheiten aber verbirgt sie. Die große Liebe, die meine Eltern miteinander verwandt, die meinen Vater dazu brachte, Dinge dazu zu tun, die man ihn bis heute nicht verzeiht, die Welt wissen zu lassen, das ist mein Bedürfnis. Und wie meine Eltern treibt mich nicht Rache, sondern Gerechtigkeit.

Ich wurde in einer schweren Zeit geboren, in das letzte unbeschwerte Jahr meiner Eltern, bevor diese Schurkin, die Montespan, mit ihrer Erpressung begann. Als älteste meiner Geschwister war ich alt genug, hinter den Vorhang zu sehen, als meine Mutter im Kloster verschwand, und ich war alt genug, die überschminkten Tränen zu sehen, die sie zuvor geweint hatte, wenn ich sie dort besuchte. Ich war alt genug, zu sehen, wie mein Vater von Tag zu Tag mehr verfiel, als meine Mutter hinter den Mauern gefangen saß. Und ich war alt genug, zu verstehen, dass ich kein Bastard bin, sondern das Kind einer großen Liebe.  

Ich habe viele Geschwister, doch nur einige von uns hatten das Glück, meine Mutter ihre Mutter nennen zu dürfen. Diese Schurkin, die vorgab, zu sein, was sie nicht ist, nahm meiner Mutter auch ihre Kinder. Vielleicht wird der ein oder andere unter ihnen erzählen wollen.

Übergroß meine Freude, als sie zu uns zurückkehrte, sich aber noch verborgen halten musste, und unvergesslich die Tage, die wir als Familie im Trianon verbringen durften. Nur Familie, nicht König, nicht Königin, nur Vater und Mutter. Ob ich Liebe erfahren habe? Ja, die größte. Und deshalb bin ich jetzt wieder hier, um die kleinen Geschichten zu erzählen, die unbekannten Wahrheiten, die Geheimnisse von verborgenen Korridoren und geflüsterten Worten. Belanglosigkeiten vielleicht, aber schöne Erinnerungen meines Lebens, wie die Lachanfälle meiner Mutter, mit denen sie den ganzen Hof mitreißen und selbst meinen Vater zu lautem Gelächter verleiten konnte. Von den Rezepten ihrer Heimat, die sie heimlich schrieb und ausprobierte. Von den Märchen, die sie für uns ersann und abends erzählte, gleichgültig, welchen Alters wir waren. Und von dem Augenblick, als mein Vater meine Mutter zu seiner Frau nahm und sie zu seiner Königin machte. Versailles ist die Hommage eines Königs an eine große Königin.

Doch für diejenigen, die hinsehen wollen, verbirgt sich unsere Geschichte in den Werken der Zeit. Sie wird verbrämt erzählt in den Märchen des Maître Perrault, in den Tragödien von Racine, sie findet sich in Gemälden und an der Decke des Spiegelsaals. Manche Opern erzählen sie, die Musik lässt sie wieder auferstehen.

Trotz allem sind wir eine Familie. Eine, in der die Liebe über den Hass triumphiert. Die Wahrheit, die nun das Licht der Welt erblickt hat, schließt den Kreis. Und ich werde erzählen. Die Geschichte meiner Eltern, und meine eigene. Verlasst Euch darauf!

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